Drei Betriebe – drei Agroforstsysteme – zahlreiche Praxiseinblicke: Feldtag³ in Sachsen

Drei Betriebe, drei unterschiedliche Ansätze und ein gemeinsames Ziel: Agroforstwirtschaft in die Praxis bringen. Beim Feldtag am vergangenen Freitag konnten Teilnehmende erleben, wie junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter innovative Agroforstsysteme im Leipziger Umland gestalten und die Entwicklung der Agroforstwirtschaft voranbringen.

Lydia und Sylvia Praters, Robert Künne und Alexander Krebs zeigen, wie mit Mut, Innovationsgeist und Zusammenarbeit die Landwirtschaft von morgen gestaltet werden kann.

Etwa 20 Teilnehmende ließen sich von den Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern auf eine Exkursion über ihre Flächen mitnehmen und erhielten dabei spannende Einblicke in Planung, Umsetzung und Pflege der jungen Systeme.

Den Start machten Lydia und Sylvia Praters vom Hof Prautzsch mit ihrem Wertholz-Agroforstsystem in Krippehna im Landkreis Nordsachsen. Das System wurde im November 2025 im Rahmen des Projektes „Edelholz für eine zukunftsfähige Agroforstwirtschaft“ der VRD Stiftung für Erneuerbare Energien mit Förderung durch die Eva Mayr-Stihl-Stiftung gepflanzt. Es zeichnet sich vor allem durch seine einreihige Anlage und die hohe Artenvielfalt aus. Insgesamt wurden hier 1.132 Gehölze gepflanzt, darunter zehn verschiedene Edellaubbaumarten und 19 Straucharten. Die Gehölze nehmen rund 7,3 Prozent der etwa 22 Hektar großen Ackerfläche ein.

Die beiden Betriebsleiterinnen berichteten mit spürbarer Begeisterung von ihrer Vision sowie von Erfahrungen und Erkenntnissen aus dem ersten Jahr nach der Pflanzung. Die lebhafte Diskussion in der Gruppe wurde durch eine Vorführung der Fingerhacke ergänzt, die für die Pflege auf allen drei Betrieben, mit Unterstützung durch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zum Einsatz gekommen ist.

Anschließend empfing Landwirt Robert Künne die Gruppe auf dem Lerchenhof in Jesewitz, einem Demonstrationsbetrieb im Projekt AGROfloW. Er berichtete unter anderem von seinen Ideen zur Weiterentwicklung der genannten Fingerhacke, eine Pflegetechnik aus dem Obst- und Weinbau, die für den Einsatz in der Landwirtschaft robuster gestaltet werden muss. Sein im März 2025 gepflanztes Agroforstsystem verdeutlichte im direkten Vergleich zur ersten Station eindrucksvoll die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten von Agroforstsystemen. Mit einem Gehölzflächenanteil von 30,9 Prozent, 4.770 Gehölzen auf 8,3 Hektar Ackerfläche und fünfreihigen Gehölzstreifen ist dieses System deutlich gehölzbetonter als das System auf dem Hof Prautzsch.

Den Abschluss bildete der Besuch der bislang größten Agroforstfläche Sachsens in Böhlitz im Landkreis Leipzig. Ebenfalls im März 2025 wurden hier, im Rahmen von AGROfloW 30.959 Gehölze auf einer 77 ha Ackerfläche gepflanzt. Alexander Krebs, Vorstand der Agrargenossenschaft Böhlitz e.G., berichtete von der Entstehung der Pläne zum Agroforst, der besonderen Kooperation mit der Wurzener Land-Werke GmbH sowie von der Rolle der angrenzenden Renaturierung des Tauchnitzgrabens. Diese wurde im Anschluss ebenfalls noch besichtigt.

Rege Diskussionen, Fragen und Austausch

Insgesamt bot der Feldtag reichlich Raum für fachlichen Austausch und ermöglichte einen direkten Vergleich unterschiedlicher Systemvarianten, Managementansätze und Standortbedingungen. Die intensive Diskussion an allen Stationen zeigte das große Interesse an praxisnahen Erfahrungen und den Wunsch, voneinander zu lernen.

Besonders deutlich wurde dabei, wer den Wandel aktuell vorantreibt: eine neue Generation von Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern, die mit Neugier und Offenheit neue Wege beschreitet. Sie probieren aus, hinterfragen bestehende Ansätze und entwickeln gemeinsam Lösungen für die Landwirtschaft von morgen.

Die Vielfalt der vorgestellten Agroforstsysteme machte den Feldtag besonders wertvoll. Sie zeigte, dass Agroforst kein starres Konzept ist, sondern Raum für individuelle Lösungen bietet. Das Engagement der beteiligten Betriebe macht Mut und zeigt, welches Potenzial für die Weiterentwicklung der Agroforstwirtschaft in Deutschland vorhanden ist.

Organisiert wurde der Feldtag im Rahmen des Projekts FNR AGROfloW.

Fotos: Frank Wagener / IfaS

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